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Die Hospizidee vom Mittelalter bis heute

  • Hospize im Mittelalter

    Der Begriff »Hospiz« leitet sich ab aus dem lateinischen »hospitium« und bedeutet Gastfreundschaft. Zum ersten Mal tauchte dieser Begriff etwa 400 n. Chr. auf und bezeichnete Herbergen, die christliche Ordensleute an großen Pilger- und Handelsstraßen für Pilger, Reisende und Geschäftsleute betrieben. Da die Ordensleute belesen und heilkundig waren, versorgten sie auch Kranke, Hilfsbedürftige und Sterbende. Hospize verstanden sich als Orte, in denen Leben und Sterben in der Gemeinschaft erlebt werden konnte.

  • Hospize der Neuzeit

    Cicely Saunders (1918-2005) gründete 1967 in London das erste Hospiz der Moderne. Aufgrund ihrer Erfahrungen als Krankenschwester, Sozialarbeiterin und Ärztin entwickelte sie neue Grundsätze für die von ihr als unzureichend empfundene Betreuung von Sterbenden. Nach ihrem Konzept sollten die Bedürfnisse Sterbender im Mittelpunkt stehen. Schwerkranke sollten nicht mehr unter quälenden Beschwerden leiden, wie Schmerzen, Übelkeit oder Atemnot. Sterbende sollten bis zum Schluss ihre Lebensqualität behalten und über ihre Sorgen, Ängste und Wünsche sprechen können. Die Leitgedanken der Begründerin der modernen Hospizbewegung gelten noch heute. Cicely Saunders ist zum Vorbild geworden für Hospizinitiativen in aller Welt.

  • Die Hospizidee als Bürgerbewegung

    In Deutschland setzte die Hospizidee in den 1980er Jahren ein. Mit großem Engagement entstanden zahlreiche Hospizgruppen, die ohne gesetzliche Regelung und ohne finanzielles Konzept für die Bedürfnisse Sterbender eintraten. Ziel war es, Leiden zu lindern, Angehörige zu ermutigen, Aufklärung zu leisten, Geborgenheit zu schaffen, letzte Dinge zu regeln, letzte Wünsche zu erfüllen, soziale Kontakte zu erhalten und Lebensqualität zu bewahren. Aus dieser Bürgerbewegung sind bis heute in Deutschland 1500 ambulante Hospizdienste, 179 stationäre Hospize und 231 Palliativstationen entstanden, in denen ca. 80.000 ehrenamtliche Hospizhelfer Sterbende und Trauernde begleiten. Im Bonn/Rhein-Sieg-Kreis arbeiten 18 Hospiz- und Palliativeinrichtungen eng vernetzt zusammen.

  • Die Hospizidee als Teil des Gesundheitssystems

    Ausgehend von einer Einzelperson hat sich die Hospizidee zu einem weltweit anerkannten Versorgungskonzept entwickelt. In Deutschland werden ambulante Hospizdienste inzwischen von den gesetzlichen Krankenkassen anerkannt und gefördert. Hospizarbeit ist heute eine wichtige Säule des Gesundheitssystems bei der ambulanten Versorgung von Schwerkranken und Sterbenden. Die Zusammenarbeit mit Ärzten, Pflegediensten, Sozialdiensten, Palliativzentren und anderen Versorgungsstrukturen ist selbstverständlich geworden.

  • Die Hospizidee als Ausgangspunkt für die Palliativmedizin

    Die Palliativmedizin versteht sich nach der Definition der Weltgesundheitsorganisation als Behandlungsmethode für Patienten mit einer nicht heilbaren, fortschreitenden und fortgeschrittenen Erkrankung und begrenzter Lebenserwartung.
    Obwohl die Linderung von Leiden Aufgabe aller Ärzte ist, ist es das Hauptziel der Palliativmedizin, Beschwerden besonders in der letzten Lebensphase zu lindern und für bestmögliche Lebensqualität zu sorgen. Dabei steht der Mensch im Vordergrund, das medizinisch und technisch Machbare tritt in den Hintergrund. Hospizbewegung und Palliativmedizin akzeptieren das Sterben als einen Teil des Lebens, der Tod soll weder beschleunigt noch hinausgezögert werden. Aktive Sterbehilfe lehnen die Hospizbewegung und die Palliativmedizin ab.